Botswana: Das Okavango Delta

Von Menschen unberührte Natur & Tierwelt

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Botswana – Okavango Delta – Januar 2018

Botswana – Das Okavango Delta – Januar 2018

Reisedauer: 3 Tage (2 Nächte)

Gesamtbudget: ca. 1.000€ p.P.

  • Unterkunft: 1.000€ p.P. inkl. Essen, Getränke, Aktivitäten & Fly-In
  • Hin- & Rückreise: 300€ p.P., für Hin-& Rückflug, bereits im Preis oben inklusive
  • Aktivitäten: inkl.
  • Essen / Trinken: inkl.

Reiseliteratur: Charles Dickens – „Great Expectations“

Unsere Reise ins Okavango Delta startete in Maun am Flughafen, von wo aus die meisten Flüge ins Delta gehen. Aus Livingstone oder Kasane kann man ebenfalls ins Delta einfliegen. Wer nicht fliegen mag, kann je nach Jahreszeit alternativ auch mit dem Auto oder dem Boot zu seiner Lodge fahren. Dies ist jedoch nicht bei allen Lodges möglich. Manche -wie die meisten auf Chiefs Island– erreicht man ausschließlich mit dem Flugzeug.

In Maun wollten wir erst einmal ausgiebig frühstücken, doch waren die meisten in den Reiseführern angegebenen Cafés geschlossen, sodass wir auf eine große Kette ausweichen mussten. Wer sich Maun als Großstadt vorstellt, der liegt gehörig daneben. Maun hat zwar verhältnismäßig zum restlichen Land deutlich mehr Einwohner, Geschäfte und Tankstellen, doch würden wir es in Deutschland eher als Dorf bezeichnen. Supermärkte und Geschäfte des täglichen Bedarfs findet man hier aber zu genüge, um sich vor der Weiterreise ausreichend einzudecken.

Wir parkten direkt vor dem Flughafen auf dem dafür vorgesehenen Parkplatz, packten unsere Koffer in Rucksäcke & Taschen um, denn harte Gepäckstücke & alles schwerer als 20kg können nicht mitgenommen werden. So ganz klar wir mir der Grund dieser Einschränkung zu diesem Zeitpunkt noch nicht, es sollte sich aber schnell offenlegen, als ich die Flugzeuge erspäte, welche in Maun zu Hauf abflogen. Diese waren gefühlt genauso lang wie ich groß bin und mir rutschte das Herz in die Hose. Ich fliege nicht sehr gerne. Ich tue es, da mir oft nichts anderes übrig bleibt, aber ich habe immer ein klein wenig Angst, auch wenn ich in einem A380 der Lufthansa sitze. Wir bekamen vor Ort unsere „Tickets“ oder aber ein Schnipsel Papier, auf dem unser Name stand und warteten noch ein wenig, was meinen Gemütszustand nicht sonderlich verbesserte.

Zwei weitere Personen sollte mit uns fliegen und wir schwante, dass der Flieger nicht sonderlich groß sein kann, wenn sich die Gesamtanzahl der Fluggäste auf 4 beschränkt. So passierten wir die Sicherheitskontrollen und wurden mit einem Auto zu unserem Flugzeug der Gesellschaft „Kavango Air“ gebracht. Die Gepäckstücke wurde also mit Müh unter dem Flugzeug in ein enges kleines Loch gezwängt und es gab im Flugzeug exakt 5 Plätze, wobei einer davon vom Piloten besetzt war, welcher ungefähr 16 Jahre alt gewesen sein muss. Das war der Moment als ich begann mir zu überlegen, ob ich nicht doch lieber in Maun verbleiben soll, denn sooo toll kann das Okavango-Delta ja auch nicht sein. Gesprochen habe ich zu diesem Zeitpunkt keine einzige Silbe mehr, denn wenn ich wirklich nervös werde, werde ich mucksmäuschen still und sprach den Start und die ersten 10 Minuten in der Luft kein Sterbenswörtchen. Doch dann beruhigte ich mich langsam, denn wir waren noch nicht abgestürzt und ich lebte noch! Die Aussicht war wundervoll und wir flogen nicht sehr hoch, sodass ich einige Tiere aus dem Flugzeug erblicken konnte. In Summe 20 Minuten sollte der Hinflug dauern und er verging tatsächlich recht schnell und war ohne Luftlöcher und Komplikationen. Alles war gut, bis ich die Landebahn erblickte. Es war eine Sand-Schotterpiste mit ähnlichen Kratern wie auf unser gestrigen Autofahrt. Erneut rutschte mir das Herz in die Hose und ich fragte mich, warum ich eigentlich diejenige war, die darauf bestanden hat, die extra Kosten von ca. 300€ p.P. zu bezahlen, um einen Fly-In ins Delta zu haben. Doch auch die Landung überlebten wir und ich war kurz davor die Schotterpiste zu küssen, so froh und dankbar war ich darüber wieder auf der Erde angekommen zu sein.

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Botswana – Okavango-Delta „Kavango Airline“ – Januar 2018

Wir wurden am „Flugplatz“ abgeholt und in unsere Unterkunft gefahren. Dort angelangt wurden wir von der gesamten Belegschaft singend begrüßt -wohlgemerkt, wir waren nur noch zu zweit, denn die anderen zwei Fluggäste sollten in das andere Camp gebracht werden- und standen im Eingangsbereich der Lodge etwas hilfesuchend. Anschließend durften wir das Camp und unser Zelt erkundschaften und das Moremi Crossing war zu unserer Überraschung riesig groß. Es gab dort 18 Zelte und war für gut und gerne 40 Leute ausgelegt. Erneut sollte uns die Nebensaison in die Karten spielen, denn wir waren nur zu zehnt und diesmal keine Deutschen! Es war eine sehr nette italienische Familie und eine süße französische Familie dort, mit denen wir unsere diversen Mahlzeiten an einer großen Tafel sitzend einnahmen. Wir begaben uns erst einmal in unser Zelt und wechselten unsere Kleidung, da es an die 40°C waren und wir bereits nach der Anreise vollständig durchgeschwitzt waren.

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Botswana – Okavango Delta „Moremi Crossing“ Hauptlodge – Januar 2018
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Botswana – Okavango Delta „Moremi Crossing“ Zelte – Januar 2018

Dort sahen wir direkt vor unserem Zelt am Fluss liegend ein Flusspferd und realisierten, dass im ganzen Camp weder Zäune noch irgendwelche Verstrebungen zu finden waren. Unser Zelt stand auf Stelzen und das Hippo könnte theoretisch sogar unter diese Plattform passen. Es war ein seltsames Gefühl, zu wissen, dass 100km um dich herum keinerlei Menschen anzutreffen sind, außer eine Hand voll in den wenigen Camps im Okavango Delta.

Okavango Delta
Botsuana – Okavango Delta – Januar 2018

Am frühen Nachmittag startete dann eine geführte Tour durch das Delta. Da wir im südafrikanischen Sommer und somit in der Regenzeit dort waren, führt das Delta nur Niedrigwasser, da sich der Wasserstand im Delta antizyklisch zur Regen- & Trockenzeit verhält. Demnach konnten die Motorboote nicht zum Einsatz kommen, was mir aber sehr entgegen kam, denn statt dessen fuhren wir ein kurzes Stück mit dem Mokoro (Einbaum) und den größten Teil erkundeten wir die Natur zu Fuß. Fahrzeuge gibt es dort nicht, somit sind klassische Game Drives in diesem Gebiet des Deltas nicht möglich. Dies hatten wir uns mit Absicht so ausgesucht. Wer Game Drives im Delta machen möchte, sollte sich eher an die östlichen Ausläufer begeben, aber auf jeden Fall in den Camps nachfragen, ob es sich dabei eher um Wasser- oder Landfahrten handelt.

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Botsuana – Okavango Delta „Mokoro-Tour“ – Januar 2018

Wir fuhren also zu 6 Gästen, 2 Polern und einem Guide im Mokoro ein Stück den Flussausläufer des Okavango runter, parkten die Mokoros und gingen ab dann zu Fuß. Feste Schuhe, lange Hosen & Hüte sind unabdingbar, um Sonnenstich und Verletzungen zu vermeiden. Bereits hier trafen wir auf Elefanten, Zebras, eine große Herde Büffel, diverse Antilopen und zig verschiedene Arten von Vögeln, dessen Namen ich allesamt wieder vergessen habe. Es war für mich ein unfassbar aufregendes Gefühl die Tiere von Nahem zu entdecken und sie in ihrer wirklichen natürlichen Umgebung zu erleben. In den Game Reserves und bekannten Nationalparks sind die Tiere an Menschen bereits gewöhnt und verhalten sich somit völlig anders, als sie es unter normalen Umständen tun würden. Die Zebras beispielsweise waren derart verschreckt, obwohl wir noch Hunderte Meter entfernt standen, dass sie gleich lossprinteten, als wir uns näherten, nur deshalb, weil der Wind aus der falschen Richtung kam und sie uns gerochen haben. Elefanten dagegen waren sehr neugierig und gingen -für meinen Geschmack- viel zu oft zu schnell auf uns zu. In Summe verging die Wanderung, auch wenn es durch die Hitze sehr anstrengend war, zu schnell und gegen 19 Uhr waren wir zurück in der Lodge.

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Botswana – Okavango Delta – Januar 2018

Da wir bereits mittags Buffet hatten, war mir abends nicht groß nach Essen und ich pickte mir nur hier und da eine Kleinigkeit vom Buffet. Gut war es aber jeden Tag. Der Abend ging stürmisch zu Ende. Ein Sommergewitter näherte sich und es windete und blitzte über mehrere Stunden und wir saßen mit unserem neuen Standardgetränk Savannah Cider in den Stühlen in der Hauptlodge und betrachteten das Naturschauspiel. Es war schlicht beeindruckend, wie dunkel es durch die aufziehenden Wolken und wie es gleichzeitig durch die Blitze Tag hell wurde. Ein bisschen beunruhigt darüber, dass unsere einzige Trennung zwischen der wilden Tierwelt und uns womöglich davon fliegen könnte, schlief ich dann doch irgendwann ein.

2. Tag: Okavango Delta

Ich erwachte und das Zelt stand noch. Glücklich darüber, standen wir auf und machten uns auf zum frühen Frühstück, denn um 07:30 Uhr sollten wir bereits zur nächsten Tour aufbrechen. Wie so oft morgens hatte ich keinen Hunger und trank nur einen Kaffee. Diesmal war unser Highlight des Tages eine große Giraffenherde mit vielen Babygiraffen, die uns neugierig & ängstlich beäugten.

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Botswana – Okavango Delta – Januar 2018
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Botswana – Okavango Delta – Januar 2018

Wir genossen diesmal noch stärker die Natur, da man in der morgendlichen Kühle ein wacheres Auge besitzt. Doch diese sollte zügig von der Hitze eingeholt werden und als wir gegen 10:30 Uhr in der Lodge ankamen, war mein nächstes T-Shirt durchgeschwitzt. Nach der Dusche gab es bereits Mittagessen, was ich jedoch verschlief, denn ich begang den Fehler mich nur kurz auf das frisch gemachte Bett zu legen. Und da ich frecherweise nicht zum Mittag geweckt wurde, gab es auch diesmal kein Essen für mich. So saß ich dann gegen 14 Uhr mit den Füßen scharend in der Lodge und wartete sehnsüchtig auf den nachmittags Kaffee, mit dem auch immer ein klein wenig Kuchen und Obst gereicht wurde. Eine halbe Stunde später saß ich dann glücklich einen Schokokuchen mampfend in den Sesseln und die Welt war gut. Schon musste ich mich erneut zur Abend-wanderung umziehen. Wie ich aus einer Unterhaltung mit einer der Gästen dann auch verstand, ist der Ablauf in diesen Lodges wohl überall ähnlich und man kommt kaum dazu sich auch nur 5 Min zu fragen, was man denn jetzt wohl tun könnte, da es dann entweder einen Ausflug oder schon wieder was zu essen gibt. Die nächste Wanderung sollte sich auf Grund des ausgelassenen Frühstücks wie auch Mittagessens als etwas arg anstrengend herausstellen, denn auch diese Wanderung durch das Delta war lang (10km) und trotz später Stunde drückend heiß, sodass mir mein Kreislauf Schwierigkeiten machte.

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Botswana – Okavango Delta – Januar 2018

Außer einer großen Erschöpfung und einem Bärenhunger, kam ich wohlbehalten im Camp an, warf ein weiteres verschwitztes Shirt in die Ecke, ging duschen und diesmal auf direktem Wege zum Abendessen, denn es war noch hell und wir mussten nicht auf den Begleiter warten. Ich aß gefühlt alles das, was ich an den drei vorherigen Mahlzeiten verpasst hatte und begab mich anschließend mit den anderen Gästen an das Geländer der Lodge, um den traumhaften Mond zu verfolgen, der in einem gespränkelten Sternenhimmel, der so viele Sterne wie ein sommersprossiges rothaariges Mädchen nach einem warmen Sommer Sommersprossen hat, aufging.

3. Tag: Okavango-Delta >>> Maun

Auch am nächsten Morgen ging es früh los und dies war mein Lieblingstag, denn wir verfolgten ein paar Hyänenspuren, wie wir es auch auf den vorherigen Wanderungen bereits getan hatten. Doch diemal trafen wir auf gleich ein ganzes Rudel Hyänen. Ich jauchzte innerlich, denn Geräusche durfte ich keine machen, um die Hyänen nicht zu verschrecken. Sie fraßen an Überresten eines Impalas. Einige Meter verfolgten wir sie, doch dann waren sie wie vom Erdboden verschwunden. In Summe müssen es 6 ausgewachsene …Hyänen gewesen sein.

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Botswana – Okavango Delta Spotted Hyena – Januar 2018

Dieses Mal planten wir nur eine kurze Wanderung ein, denn einige der Gäste wurden bereits früh vom Flugzeug abgeholt. Nicht wie wir, dessen Flug erst für 15 Uhr angesetzt war. So verließen alle anderen die Lodge gegen 11 Uhr morgens und wir waren ganz alleine dort, denn neue Gäste waren noch nicht angereist. Also machten wir es uns teils im Zimmer, teils in der Haupt-Lodge gemütlich, lasen, aßen und genossen die Aussicht auf das Delta. Ein paar Stunden später kam einer der Guides auf uns zu und teilte uns mit, dass sich unsere Abflugszeit geändert hätte. Das geschah noch weitere zwei Mal und wir mussten jedes Mal unsere Pläne für die Weiterfahrt überdenken. Meine Empfehlung für alle, die das Delta bereisen, lautet daher: Nehmt euch am Abreisetag besser nichts vor. Die Flüge gehen zwischen 10-18 Uhr und ihr wisst nicht, wann genau er eintreffen wird. Unser Ablug war letzten Endes um 16:30 Uhr und welch Freude, das Flugzeug war noch kleiner, als das Vorherige.

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Botswana – Okavango Delta „Cessna C172“ – Januar 2018
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Botswana – Okavango Delta „Cessna C172“ – Januar 2018

 

Fazit:

Das absolute Highlight unserer Reise! Auch wenn es sehr teuer ist, kann ich jedem Reisenden nur empfehlen diese Kosten auf sich zu nehmen und lieber an anderen Punkten zu sparen. Es ist ein Erlebnis, was man nur schwer beschreiben kann und in dessen Ruhe & Abgeschiedenheit ich mich wieder hin zurücksehne.

Auf Chiefs Island gibt es neben dem Moremi Crossing die verschiedensten Alternativen.  Moremi Crossing ist davon bei weitem nicht das teuerste. Wer noch tiefer in den Geldbeutel greifen kann, dem würde ich das Gunns Camp (welches am gleichen Flugplatz vom Moremi Crossing empfehlen) oder aber das Okuti Camp, im Teil des Moremi Game Reserves, welche uns beide von anderen Touristen empfohlen wurden. Diese seien etwas kleiner und intimer, insbesondere wenn man in der Hauptsaison. Eine Vorausbuchung empfiehlt sich dann. Die Tagesabläufe in allen Camps sind sich alle recht ähnlich. Wer sich unsicher über die Anzahl der Übernachtungen ist, liegt mit zwei Nächten nie verkehrt. Eine dritte wäre auch nett gewesen. In manchen Camps gibt es ab der dritten Nacht Vergünstigungen. Es lohnt sich also einmal nachzufragen und dies zu erwägen.

Aber egal für welches Camp man sich am Ende entscheidet, man sollte ausreichend Kleidung und sicherheitshalber auch ein Mückennetz mitbringen, denn je nach Saison ist das Delta Risiko Malariagebiet und nicht jede Unterkunft hat Mückennetze über den Betten (wie unter anderem auch das Moremi Crossing nicht). Mit Malariaprophylaxe, Mückensprays und angemessener Kleidung kann man sich aber ausreichend schützen und das Risiko minimieren. In unserem Fall waren wir nicht in der Haupt-Malaria-Zeit dort, doch haben wir dennoch vorsichtshalber Malarone eingenommen.

Kombinationsmöglichkeiten:

  1. Botswana: Der Norden
  2. Namibia: Der Norden
  3. Sambia: Der Süden
  4. Simbabwe: Viktoriafälle & Lake Kariba
  5. Südafrika

4 Antworten auf „Botswana: Das Okavango Delta

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